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Nachstehender Artikel von Patricia Engelhorn erschien am 31. Oktober 2004 in Welt am Sonntag:
Unterwegs auf feinsten Sohlen
Bei "Ed Meier" in München, seit 13 Generationen in Familienbesitz, gibt es Deutschlands edelstes Schuhwerk
von Patricia Engelhorn
"Diese Schuh-Institution", heißt es im aktuellen Louis-Vuitton-City-Guide über "Ed Meier" in München, "wird von Einheimischen verehrt, die wegen der prächtigen flachen Schuhe, der Stiefel und Sneakers
kommen." Das stimmt - und ist doch nur die halbe Wahrheit. An der Wand hängt ein Foto von Arnold Schwarzenegger, an den Füßen hat er ein Paar handgefertigter "Ed Meier"- Bergsteigerstiefel.
Nun mag der jetzige Gouverneur von Kalifornien noch im weitesten Sinne als Einheimischer gelten. Doch was ist mit den adligen Kunden, den VIPs und Stars aus aller Welt, die mit Vorliebe auf "Ed
Meier"-Sohlen durchs Leben laufen?
Brigitte Meier, die mit ihrem Bruder Peter Eduard den Laden in 13. Generation leitet, würde wohl eher in die Isar springen, als fremden Menschen Einblick in ihre Kundenkartei zu gewähren. Immerhin erzählt sie die Geschichte einer amtierenden europäischen Königin, die zusammen mit ihrer Zofe vorbeikam, um neue Schuhe auszusuchen. Und die dann, als in ihrem Hotel eine weitere Anprobe
anstand, im Schlafgewand erschien, weil sie den Termin vergessen und niemand sie gewarnt hatte, daß das Meier-Team nebenan auf sie wartete. Könige sind eben auch nur Menschen.
Das Familienunternehmen, 1596 erst- mals urkundlich erwähnt und ehemals "Königlich Bayerischer Hoflieferant", ist Deutschlands ältestes Schuhhaus. Und sicher auch das edelste. Zwar ist hier nichts vom
Glamour der Prada-Gucci- Fraktion zu sehen, doch gerade der gediegene anglo-bajuwarische Stil macht das Haus gegenüber der Münchner Oper zu einer Sehenswürdigkeit, die in kaum einem Reiseführer
fehlt.
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Tatsächlich wirkt das Geschäft wie ein britischer Country-Club. Peter Eduard Meier gibt gern zu, daß er sich den ländlichen Traditionen verpflichtet fühlt. "Es kann nicht sein", sagt er, "daß man in
Deutschland keine angemessene Jagdbekleidung mehr findet und daß eigentlich elegant gekleidete Menschen im Bundeswehr- parka durchs Unterholz streifen müssen." Deshalb sind bei "Ed Meier" eigens
angefertigte Barnjackets mit Rückentasche für erlegte Hasen zu finden und ledergefütterte Gummistiefel für die Entenjagd, aber auch elegante Abend- kleider, sportliche Freizeitbekleidung, klassische
Trachten.
Hauptattraktion bleibt jedoch das Schuhwerk. "Ein Schuh muß so sein, daß er seinen Träger gut durchs Leben führt", sagt Brigitte Meier. Der klassische Meier-Schuh tut dies zuverlässig: rahmengenäht, aus
hochwertigem Leder und mit einer zwischen Brandsohle (innen) und Laufsohle (außen) eingearbeiteten Korkschicht versehen, die zwar erst eingelaufen werden muß, sich aber dann in ein individuelles,
perfekt geformtes Fußbett verwandelt.
Betrachtet man die ausgestellten Schuhe und deren Preise (Sneakers ab 280 Euro, rahmengenähte Halbschuhe ab 1350 Euro), kann man sich kaum vorstellen, daß diese Meisterwerke nicht für die Ewigkeit
geschaffen sind. Zumal es bei "Ed Meier" auch noch eine bemerkenswerte Auswahl an Pflegemitteln gibt, die nach hauseigenen Rezepturen hergestellt werden. Wie man seinen Schuh auf Hochglanz poliert,
Kratzer entfernt oder Ledersohlen geschmeidig hält, wird in Schuhputz-Seminaren gelehrt, die der Chef persönlich abhält und die ebenso Kult sind wie der Laden selbst.
Und wie die Schuhmodelle: Die robusten Jagdschuhe oder die dunkelbraunen Veloursleder-Chukkas sind bei Trendsettern ebenso begehrt wie die hauseigenen Sneakers. Auch modebewußte Damen, die
auf der Suche nach eleganten High-Heels sind, werden fündig. Zwar produziert "Ed Meier" nichts dergleichen, doch in den Vitrinen stehen verführerische Modelle, etwa Emma Hopes zierliche
Riemchensandalen oder Joseph Azagurys nachtschwarze Velours- lederpumps mit Marabufedern. "Ed Meier" verkauft nämlich nicht nur Ed-Meier-Schuhe, sondern auch zahlreiche Modelle ausgesuchter
Designer, vorzugsweise aus Großbritannien.
Artikel erschienen am 31. Oktober 2004 in Welt am Sonntag von Patricia Engelhorn
Anmerkung von Eduard Meier: Bei Eduard Meier gibt es echt rahmengenähte Schuhe bereits für 145,- Euro - über die verschiedenen Fertigungs- arten und Materialien gibt es weder qualitativ von preislich keine Obergrenzen. Es wäre uns jedoch nicht recht, wenn der Eindruck entstünde, Ed/Meier-Schuhe wären Luxusartikel und unerschwinglich - gute Qualität hat ihren Preis - aber jedermann mit Qualitätssinn sollte sich wenigstens unsere Einstiegsmodelle leisten können. (Peter Eduard Meier)
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