»notFAQs - Not Only Frequently Asked Questions«

Fragen die uns gestellt wurden und von allgemeinem Interesse sein könnten
- von Peter Eduard Meier nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet -

"Unser Haus hat seit über vier Jahrhunderten Erfahrung mit Schuhen - ich bin mit einem besonderen Faible für Schuhe aufgewachsen und sie sind seit fast dreissig Jahren mein berufliches Metier und waren schon immer meine Passion - ich hoffe, keiner spielt sich mit nachstehenden Tips oder Antworten zulasten seiner Schuhe als Schuhexperte auf und geht mit meinen Anworten unkritisch, leichtfertig oder leichtsinnig um ..."




F.: Empfehlen Sie zur Pflege von Eduard Meier Schuhen Selbstglanzprodukte?

A.: Sicherlich sind mir nicht alle Selbstglanzprodukte auf diesem umkämpften Markt bekannt. Allerdings unterscheiden sich die mir bekannten Produkte in Ihrem Konzept nach denen, die eine "Lackschicht" auftragen - diese muß irgendwann brechen und nimmt den Riss mit ins Material. Weiters kenne ich "Selbstglanzschwämme" die einen feinen Silikonfilm auf dem Leder zurücklassen und dieser Film glänz wie ein nasser Schuh - meiner Beobachtung nach nimmt das Leder irgendwann das Silikon auf und verliert dann seine Fähigkeit zum Glanz - auch durch gute Schuhcreme - nachhaltig ...


F.: Gute rahmengenähte oder zwiegenähte Schuhe sollten doch auch das Winterwetter aushalten oder ist die Geschichte von der Qualität nur ein Märchen?

A.: im Gegenteil, Qualität - und diese läßt sich nicht einfach am Preis ablesen - zahlt sich immer aus - besonders bei Schuhen! Winterwetter erfordert Winterstiefel - Schnee oder Schneewasser oder noch schlimmer: salzhaltiges Tauwasser, mergeln Schuhböden und Oberleder aus. Da man ja mit zwiegenähten Bergstiefel diesem Wetter trotzen kann - dies natürlich nur mit Stiefeln, deren Bodennähte, Sohlenränder und Oberleder mit hervorragendem Fett geschützt sind (z. B. EM-Lederfett), darf man nicht glauben, daß rahmengenähtes oder zwiegenähtes "Straßenschuhwerk" oder gar Jagdschuhe gleiches leisten können. Vielleicht ein zwiegenähter Schuh mit guter Fettung - dieser ist dann natürlich nicht mehr auf Glanz zu bekommen. Die hervorragende Haltbarkeit und Langlebigkeit zeigt sich bei richtigem Einsatz - nicht bei der Zweckvergewaltigung des Schuhwerks. Ein Maybach kann in bestimmten Einsatzbereichen (Gelände) nicht das gleiche leisten wie ein Lada-Geländewagen, der einen Bruchteil kostet ...


F.: Wie bekomme ich Wachsflecken von braunem Glattleder - Ballyschuhe?

A.: Ich tu´ mich schwer einen verlässlichen Rat zu geben, da ich nicht weiß, welche Glattleder - und es sind sicher viele verschiedene - Bally verarbeitet. Weiters werden heute Kerzen aus so unterschiedlichen Wachsen oder Wachsderivaten hergestellt, daß die eine Antwort ein Stochern mit dem Stock im Trüben bedeutet: Ich würde bei meinem Schuh - allerdings ein EdMeier - zunächst überschüssiges Wachs mechanisch entfernen - Messerklinge - vorsicht darf nicht zu scharf oder schartig sein um das Leder nicht zu verletzen. Tesacrepp - das feiner strukturierte, nicht das große - auf die Stellen geben und mehrere Tage auf dem Leder lassen - der Klebstoff zieht in aller Regel Fette und Öle aus dem Leder. Vorher aber an einer versteckten und unkritischen Stelle des Schuhs testen. Eine Behandlung mit Waschbenzin kann bei nicht appretierten Ledern helfen - Gefahr: Ränder und Flecken - Vorsicht Wenn der Schuh durch den Wachsflecken so unmöglich aussieht, daß man etwas schneidiger vorgehen kann - "er ist ja ohnehin in einen Zustand, daß man ihn nicht mehr versauen kann - er ist es ja schon" kann man die Sache mit dem Waschbenzin probieren oder/und beide Schuhe flächig mit K2R-Fleckenspray behandeln, über Tage einwirken lassen und dann abbürsten - anschließend den Schuh mit EM-Lederreiniger behandeln und dann mit EM-3 etwas dunkler cremen. Grundsätzlich ist die Sache komplizierter je heller der Schuh ist - man muß aber in jedem Fall davon ausgehen, daß der Schuh nie wieder so sein wird wie vorher und in jedem Fall muß er durch die Behandlung dunkler werden dürfen. Ich hoffe Sie sind mit meiner ausführlichen Antwort, die leider kein Patentrezept sein kann, zu Schuhen vom Mitbewerber zufrieden ...


F.: Ich bin seit kurzem stolzer Besitzer von einem Paar rahmengenähter Schuhe Ihres Hauses und besitze auch das entsprechende Pflegemittel (Schuhwichse).Meine Frage an Sie:Wie häufig sollte man denn die Schuhe Wichsen und Polieren?

A.: Sehr geehrter Herr Am. - das Leder Ihrer Schuhe wird durch die Behandlung mit Schuhcreme und das fachgerechte Polieren nicht nur mit Nährstoffen versehen, sondern auch mechanisch geschützt. Ein häufiges Putzen/Polieren schadet nicht. Die gebotene Häufigkeit richtet sich nach der Beanspruchung - alle 5- bis 6mal Tragen sollte der Schuh schon seine Cremeration bekommen. Wichtiger noch ist das Aufleisten auf den für die Schuhform richtigen Schuhspanner und das ausreichend lange Ruhen der Schuhe nach jedem Tragen. Pro Woche sollten Schuhe nicht öfter als 2- maximal 3mal getragen werden. Daß sich dies in der Praxis nicht immer durchhalten lässt, liegt auf der Hand ...


F.: Vor einiger Zeit habe ich in Ihrem Hause zwei Paar Crocket and Jones erworben, die ich mit größtem Vergnügen trage und Ihrer Anleitung gemäß mit Ihrer Schuhcreme EM-1 wasserpoliere.

In anderen Schuhfachhäusern wurde ich jedoch vor der Verwendung terpentinhaltiger Schuhcremes gewarnt, da Terpentin allmählich das Leder austrockne, mittel- bis langfristig angreife und unansehnlich mache oder gar beschädige. Aufgrund der Gerbung des Leders würde dieser Verschlechterungsprozess jedoch nicht schlagartig einsetzen, sondern langsam aber sicher vor sich gehen.

Ich bin nun hinsichtlich der richtigen Schuhpflege verunsichert und bitte um Ihren Rat.

A.: Ich benutze selbst nahezu ausschließlich unsere EM-2-Creme und habe selbst keine der beschriebenen Wirkungen feststellen können. Terpentincremen ohne eigenen Fettgehalt haben sicher die Ihnen als Warnung mitgeteilte Wirkung. Die Formel von EM-2 beinhaltet aber zusätzliche Fette. Sollten Sie Helm, Schwimmweste und Fallschirm für Ihre Schuhe bereithalten wollen, empfehle ich Ihnen zusätzlich unsere EM-3. Diese neue Creme hat nicht die wasserabweisende Wirkung der EM-2, die Emulsion enthält aber besonders wertvolle Fette und Öle, die eine Nachgerbung im Leder verursachen und eine für Leder restaurierende Wirkung erzielen. Diese Stoffe stammen aus dem Erfahrungsschatz von Museumsleuten, die jahrhundertealte lederne Bucheinbände zu restaurieren haben ...


F.: Nun bin ich in der letzten Woche stolzer Besitzer rahmengenhter Schuhe aus Ihrem Haus geworden und hoere nun verschiedene Meinungen zum Thema
"Schutzsohle".

Die einen sagen, dass man unbedingt beim Schuster eine Schutzsohle ueber die vorhandene anbringen lassen sollte, damit die Naht nicht beschaedigt wird.
Andere sagen, dass man gerade das unterlassen sollte.

Koennten Sie mir bitte Ihre Expertenmeinung zu diesem Thema mitteilen?

Vielen Dank


(2. Frage zum gleichen Thema:

- Was halten Sie vom Anbringen von:
> - Schutzsohlen
> - Metallplättchen zum Schutz von Absatz und Stoßkante
> - Einer Gummilösung auf die Ledersohle, um ein Rutschen im Winter zu
> verhindern?)

A.: Mit jeder Anbringung von Schutzsohlen verändern Sie die Konstruktion der Schuhe und die Belastung des Schaftes beim Abrollen. Die zusätzlich aufgebrachte dünne Gummisohle müßte beim Abbiegen des Schuhs - Abrollen des Fußes - die größte Dehnung des Gesamtbodens mitmachen - sie tut es aber nicht.

Vergleichen Sie das mit den äußeren Rädern eines Autos, welches eine Kurve fährt. Diese Räder legen eine größere Strecke zurück.

Da sich diese Sohle kaum dehnt, wird der Schuhboden zusätzlich steifer und die aufeinander abgestimmten Komponenten des Schuhs passen nicht mehr zusammen. Bei einem doppelsohlig rahmengenähten Schuh beträgt die Bodenstärke samt Brandsohle oft 3 cm (davon ist nur ein Teil von außen erkennbar) - eine zusätzliche Erhöhung der Zugkräfte auf den Schaft läßt oft das Oberleder reißen oder die Einstechnaht platzen.

Die Gewährleistung/Garantie erlischt sofort durch solche Eingriffe.

Metallplättchen oder Nylonplättchen an der Sohlenspitze, so sie fachmännisch ohne Beschädigung der Nähte aufgebracht, sind sinnvoll. Am Absatz würde ich aus orthopäischen Gründen darauf verzichten ...


F.: Wir waren (und sind) im grunde sehr zufrieden mit ihren produkten. umso mehr bin ich erstaunt, daß sich bei einem ihrer schuhe nach ca. 1 jahr die sohle bereits derart auflöst, daß ich jede camel-werbung gestalten könnte. gewähren sie für ihre produkte eine art garantie oder muß ich zum nächsten schuhmacher?

A.: Es ist nicht möglich ein Urteil über ein Produkt abzugeben, daß man nicht gesehen hat. Ihre Beschreibung scheint aber ein Hinweis auf Verschleiß und nicht auf Fertigungsmangel. Natürlich gewährleisten wir für Fertigungsmängel - Verschleiß kann nicht beinhaltet sein. Ein Durchlaufen der Sohlen ist bei entsprechender Pflege ungewöhnlich, doch kann theoretisch selbst der beste Schuh bei widrigen Umständen innerst weniger Wochen schon seinen Geist aushauchen. Um dies zu verhindern verwenden wir bei unseren Peduform-Schuhen der Preiskategorie um EUR 500,- und der Handarbeitslinien ausschließlich Rendenbachsohlen - das teuerste und nach langläufiger Meinung beste Sohlenmaterial der Welt. Auch diese Sohle kann vorzeitig verschleißen, wenn die Schuhsohle aufgrund unzureichender Rückformung und Nässe eine konvexe Form annahm und die Auflagefläche und somit Verschleisszone auf wenige Quadratzentimeter im Bereich der Sohlenmitte konzentriert wurde. Sicherlich können Sie aufgrund meiner Beschreibung Ihre Schuhe überprüfen und feststellen, ob ähnliches mit Ihren Schuhe geschah ...

F.: Wie kann ich meine Pferdelederschuhe, die ich leider nicht bei Ihnen gekauft habe, retten - sie bekommen ständig weiße Streifen in den Gehfalten. Was kann man da machen?

A.: Die Sache ist nicht ganz einfach - früher wurden die Cordovanshells in der Gerberei oder bei den Schuhherstellern noch einige Zeit gelagert. Ich glaube die Sache verhält sich so: Durch die letzte Behandlung in der Gerberei (Spezialfettung) kam es während der Lagerung zu einer Reifung, Fermentation oder vielleicht auch nur zu einem Nachgerbprozess, da die langkettigen Fettmoleküle aufbrachen und sich um die Lederfaser legen konnten (quasi Sämischgerbung). Heute ist leider keine Zeit für solche Verzögerungen und damit kann das Leder nicht lange genug reifen - auch kann es vielleicht sein, daß das Rezept des "Greasing"s geändert wurde. Am besten kann man das Leder entfetten, indem man es vorsichtig lauwarm abföhnt, bis es das Fett ausschwitzt oder und mit dem EM-Lederreiniger mehrfach abreinigt. Dann wird es in der richtigen Farbe mit EM-3 behandelt. Unsere EM-3 ist eine relativ neue Creme mit Gerbstoffen und hochwertigen Fetten. Am besten erst in der richtigen Farbe und dann noch ein paar satte Schichten in farblos EM-3. Nach ein paar Tagen Einwirkzeit wird die überflüssige Creme mit EM-2 in Cordovanfarbe abgewischt und anschließend wie in unserer DVD gezeigt wasserglanzpoliert. Jetzt müssen Sie sich nur noch entscheiden, ob Sie die Schuhe wegwerfen - was schade wäre - oder sich einen Tennisarm holen wollen - Spaß beiseite - natürlich ist der Aufwand hoch, aber eine andere Lösung kenne ich nicht ...


F.: sehr geehrte damen und herren ! ich finde es schade das sie in ihren schuhgeschäft schuhe verkaufen die innen und auch aussen abfärben. habe schuhe von ken blixen ... for ed meier (der genaue wortlaut ist leider nicht mehr leserlich) am 15.juli (jetzt zeit) bei ihnen gekauft und muss zu meinen bedauern feststellen das meine socken und auch der rand von der hose die ich trage jedesmal braun (farbe der schuhe) ist. wären sie so nett und könnten mir mitteilen was ich dagegen machen kann,(nicht mehr abfärbt) oder ist es besser ich werfe die schuhe gleich in den müll

A.: Mit dem geschilderten Problem wurden wir zu Zeiten der Moden weißer Socken immer wieder konfrontiert. Wir wurden damals von den Herstellern und Gerbern regelmäßig vor die Wahl gestellt: nichtabfärbendes Leder welches durch die chemische Behandlung kaputt und dermatologisch problematisch wird oder das kleinere Übel des Abfärbens. Ich gehe nun davon aus, daß Sie von einem Art Bootsschuh sprechen, welcher aus offenem - also nicht zuappretiertem - Fettleder gefertigt ist. Die Stoßkante der Hose wird durch den mechanischen Abrieb noch längere Zeit feinste Lederpartikel und ggfls. Pigmente abreiben. Eine Möglichkeit dieses Phänomen zu verringern ist die Behandlung des Schuhs innen und außen mit Imprägnierspray, welches wir Ihnen gerne und kostenlos zuschicken. Hierzu bitte ich um Mitteilung Ihrer Adresse.


F.: Mit Ihren Produkten bin ich sehr zufrieden. Beim Studium der Pflegeanleitungen bin ich auf eine kleine Unstimmigkeit gestoßen:
In der Broschüre "Von Schuhen" heisst es:
Pferdelederschuhe bleiben stumpf und lassen sich nicht mehr glanzpolieren, nachdem sie mit Lederfett, Imprägnierspray oder Sattelseife behandelt wurden.

Auf der Rückseite des Bestellformulares in "Von Feistem" heisst es: Pferdelederschuhe bleiben stumpf und lassen sich nicht mehr glanzpolieren, nachdem sie mit Lederfett, oder Sattelseife behandelt wurden. Welche Aussage ist richtig ??

A.: Beide Aussagen sind richtig - die ersterschienene Schuhfibel wurde zu einem Zeitpunkt publiziert als wir noch kein Pferdeleder (Shell- Cordovan)-verträgliches Imprägnierspray entwickelt hatten. Grundsätzlich ist Imprägnierspray, soweit es Silikon enthält, für Cordovan bedenklich. Öl, Fett und zu fettige Sattelseife könnten ein Cordovankiller sein - wie immer: "Es kommt drauf an" im Zweifel müssen Sie die Präparate an unproblematischen Stellen des Schuhs ausprobieren (Zunge)


F.: Ich bin Student und spiele mit dem Gedanken mir ein paar Schuhe mit Ledersohle zuzulegen. Leider konnte ich noch keine eigenen Erfahrungen mit Ledersohlen machen. Nun wurde mir von mehreren Seiten gesagt dass Ledersohlen nicht sehr haltbar sind.
Meine Frage:
Halten Schuhe mit Ledersohlen einem normalen studentischen Alltag, natürlich bei entsprechender Pflege, stand? Unter Alltag verstehe ich mehrmahliges Fahren mit dem Fahrrad, auch bin ich oft zu Fuß auf dem Campus unterwegs und das bei jedem Wetter.
Für welchen Einsatzbereich sind Ledersohlen gedacht?

A.: Ledersohlen sind nicht gleich Ledersohlen - wir verarbeiten in der gehobenen Klasse unserer Produkte eichenlohegegerbes Leder, das in einem sehr langsamen, die Faserdichte der Haut erhaltenden, Prozess über 18 Monate entsteht. Aus dieser Fertigung und gleicher umwelt- und hautfreundlichen Herstellung verwenden wir die Brandsohlen. Damit ist die Sohle gemeint, die direkten Kontakt zum Fuß hat - siehe beiliegende Grafik. Ich selbst bin ein Anhänger unserer Confocell- und Confowave-Gummisohlen, da ich mich lieber auf die wenigen Regentage als auf die vielen Sonnentage einstelle und ich das Gefühl von besserem Halt - bei den Autoreifen würde man Grip sagen - habe - Ledersohlen würde ich zum Radeln nicht empfehlen. Bitte beachten Sie, daß Schuhe mit Gummisohlen - die Brandsohle muß natürlich hier aus exzellentem Leder sein - ein oder zwei Tage länger benötigen, nach dem Tragen zu trocknen und die Feuchtigkeit wieder abzugeben - hier hat die Ledersohle Vorteile. Für den "Lifestyle" Wohnzimmer > Garage > Auto > Tiefgarage > Büro und zurück, ist die Ledersohle bestimmt die beste Wahl.