|
»Was macht den Mann zum Gentleman?«
Ungekürzte Fassung des Interviews das Frau J. Levié mit Herrn Peter Eduard Meier für die Welt am Sonntag führte. |
||||
| F.:
Was macht den Mann zum Gentleman? A.: Darunter stellt sich jeder etwas anderes vor. Heute sind die Sitten schon so verroht, daß Grundbestandteile einfachster Etiquette schon mit dem Prädikat »oh - ein Gentleman« prämiert werden. Das Bild der Ritterlichkeit stimmt am besten: Entscheidend ist die Herzensbildung, nicht die äußeren Attribute. F.: Sind unsere deutschen Männer besonders schlecht gekleidet? A.: Deshalb interviewen Sie mich ja.... Sie sehen doch die schlecht sitzenden Anzüge, die ungebügelten Hosen, die so geschnitten sind, als wolle man damit hamstern und die Hosenbeine mit Kartoffeln vollstopfen. Die Leute glauben gut angezogen zu sein, wenn diese Scheußlichkeiten ein Designerlabel eingenäht haben. Und dann gibt es auch noch die Verweigerer. F.: Damit meinen Sie wohl bewußte Geschmacks-Abstinenz? A.: Bei den einen ist der Kleidungs-Protest noch aus den 70er Jahren als Schlamperei hängengeblieben und die anderen wollen mit aller Gewalt gut angezogen sein. Schuld daran sind falsche Vorbilder. Nehmen Sie das Fernsehen - Zehn Jahre mußten wir die roten Saccos der Moderatoren ertragen. Dann wurde es ganz schwarz-in-schwarz, weil intellektuell und jetzt haben alle die gleiche schlechtgeschnittene Weste mit Plastikknöpfen an und die Farbe kehrt zurück. F.: Wie würden Sie denn einen Moderator ausstatten? A.: Schauen wir uns den Joschka Fischer an. Der hat sich kleidungsmäßig schneller gemausert als man einen Frosch gegen die Wand schmeißt und dafür einen Prinzen bekommt. F.: Gibt es denn nun verbindliche Regeln, wie man als Gentleman auszusehen hat? A.: Natürlich gibt es einzelne Regeln. Aber es geht ja nicht um Dressur sondern um das Gefühl für die richtige Kleidung. F.: Bitte ein paar Details... A.: Wenn Sie wollen - Bestes Tuch - Tweed, Flanell, Loden oder Fresko - klassisch geschnitten mit den besten Schuhen, die man sich leisten kann. Das Ganze kombiniert kann dann einige Jahrzehnte alt sein. Im übrigen haben natürliche Materialien keine Konkurrenz. F.: Was trägt man in der Nacht? A.: Einen freundlichen Gesichtsausdruck und Pyjama aus Baumwolle oder Leinen und im Winter aus Flanell - oder war da nicht ...Chanel No. 5? F.: Und das gute alte Nachthemd? A.: Ab und zu darfs auch ein gutes neues sein. F.: Sie verkaufen MorgenmŠntel für 5000,- Mark. Wer soll so ein teures Stück tragen? A.: Sie meinen unsere Dressing-Gowns aus Madder-Seide? In dem Fall würden wir von einigen unserer Kunden erschossen werden, wenn wir über den Fortbestand in unserem Angebot nach betriebswirtschaftlichen Ziffern urteilten. Eine gute Bar darf nicht die Malts weglassen von denen nicht jeden abend zwei Flaschen getrunken werden. Wir haben Kunden, die tragen unsere Gowns daheim zur Smokinghose mit Pumps. Und ich bin stolz darauf, daß wir noch die Handwerker haben, die diese Seide drucken können. Das sind alles Stücke in Museumsqualität. F.: Aber eigentlich ist er vollkommen überflüssig? A.: So überflüssig wie all die kleinen schönen Dinge, die es einmal gab und die keiner mehr fertigen kann. Hat nicht Mao gesagt alles andere als blaue Arbeitsanzüge wäre überflüssig? So gesehen braucht man auch keine Bilder an der Wand. F.: Maßhemden mit Monogramm - stilvoll oder protzig? A.: Vor allem sinnvoll - wie kann man sonst in einem Haushalt mit mehreren männlichen Familienmitgliedern die Hemden auseinanderhalten. F.: Das heißt im Klartext akzeptiert. Aber was ist mit den abgewetzten Hemds- und Kragenärmeln? Gehören die auch zum Gentleman-Konzept? A.: Ich selbst habe es auch schon öfters vergessen, die Hemden wieder zur Weißnäherin zu bringen. |
|
F.:
Sie können mir nicht erzählen, daß all diese Hemdenträger
nur vergeßlich sind?
|
||