Ed/Meiers Art
14 Arbeiten von Peter Wittmann für die Stiftung Lichtblick - warum spendet ein Unternehmen wie Eduard Meier Kunst?
Unser Familienunternehmen Eduard Meier fand im Jubiläumsjahr 1996 zu einem
Kunstprojekt, welches einen unformulierten Leitgedanken vieler Familienunternehmen
widerspiegelt: »Versuche, mit den Dir gegebenen Mitteln für Deine Umgebung
einen Beitrag zu leisten und richte auch daran Dein unternehmerisches
Handeln und die Art Deiner Produkte aus.«
Der Mauerkünstler Kiddy Citny,
weltbekannt wegen der zu Rekordpreisen versteigerten, von ihm bemalten Segmente
der Berliner Mauer wurde dazu mit einem Projekt in München betraut.
Am Münchner Odeonsplatz wurde über einen Zeitraum von mehreren Wochen eine
Litfaßsäule täglich mit einem Originalkunstwerk versehen – mit insgesamt
15 Werken
war die Säule vollendet und die einzelnen Werke wurden zugunsten der sozialen
Einrichtungen Münchner Tafel und Sozialdienst katholischer Frauen versteigert.
Mit dieser Initiative gelang uns das erste Mal, was über Jahre ein Charakteristikum
für Ed / Meiers Art wurde: Winx-Situationen zu schaffen (sprich »Win hoch x« –
also das Profitieren aller Beteiligten vom eigenen und gegenseitigen Handeln ohne
Verlierer). Der Initiator hatte einen erfreulichen PR-Nutzen, das Münchner Publikum
wurde unterhalten und erfreute sich an einer unüblichen Aktion, die Münchner
Presse hatte ein Thema, welches ihr über Wochen Inhalte für positive Berichte
gab, der Künstler hatte ein Forum, sich zu präsentieren, der Ersteigerer erwarb
nicht nur sein Kunstwerk – das Werk hatte eine besondere, von seinem neuen Besitzer
miterlebte Geschichte –, das Bild war einer großen Öffentlichkeit bekannt und
hatte einen großen Wiedererkennungswert, und den bedachten Benefizeinrichtungen
floss der komplette Erlös aus dem Verkauf der Bilder zu.
Natürlich konnten wir nicht laufend mit den Aktionen von Ed / Meiers Art derart
multiple Effekte generieren. Doch sind vielen Münchnern noch mindestens drei
wirkliche Highlights unserer Aktionen in Erinnerung:
Greetings from Paradise von Mathias Kessler, Alex Kellas und Frankie
Maier: Sechs Tage lang wurden Passanten im U-Bahnhof Odeonsplatz mit Blumen
geschmückt und im eigens errichteten Fotostudio portraitiert. Die Fotos wurden
vor Ort bearbeitet, als Poster ausgedruckt und als Postkarten den Portaitierten geschenkt.
Dabei hatte nicht nur eine sehr interessante und unterhaltsame Aktion
zeitweise die Attraktivität des öffentlichen Raumes verändert; es entstanden auch
beeindruckende psychologische Effekte in der Interaktion des Portraitierten mit
dem ihn schmückenden Stylisten und der anschließenden Portraitarbeit. Schüchterne
Menschen wie auch aggressiv auftretende Jugendliche bekamen eine neue Sicht
ihrer selbst. Unsicherheit, zuvor Auslöser von Hemmungen und Aggressionen, wurde
ersetzt durch ein gesundes Selbstbewusstsein. Diese Wirkung wird heute von einer
Münchner Psychotherapeutin in ihrer Portraittherapie genutzt.
Zusammen mit dem Haus der Kunst war Ed / Meiers Art Gastgeber von Utopia Station
in München. Auf Initiative von Elena Janker von der Child Art Foundation
wurden Tausende Werke von Kindern aus 70 Nationen zum Thema Utopie, Hoffnung
und Zukunft gesammelt. Vom Designer Enzo Mari wurden einige Werke
ausgewählt und in den von ihm gestalteten Ed / Meiers Art-Vitrinen präsentiert.
Allein schon die Eröffnungsansprachen der Kinder aus den Vereinigten Staaten,
Pakistan und Indien sind uns allen noch lebhaft in Erinnerung.
Als weiteres Beispiel erinnere ich an die Kunstaktion Lichtblick Farbensinn. Die
Münchner Künstlergruppe Farbensinn arbeitete auf unsere Initiative über Monate
mit den Kindern von Lichtblick Hasenbergl an einem 15 Meter langen Kunstwerk:
Jedes Kind hatte die Aufgabe, eine Bildplatte nach eigener Idee als Collage zu
gestalten. Dem Kind war nur vorgegeben, sich strikt an die vorher von ihm gewählte
Farbe zu halten – in allen anderen Hinsichten konnte es seiner Phantasie freien Lauf
lassen. Jede dieser Platten erzählte eine eigene Geschichte, die manchem Tränen der
Rührung in die Augen trieb. Zuletzt wurden die einzelnen Werke als Mobilestränge
zu einem Gesamtwerk zusammengefügt.
Die Arbeit am eigenen Werk im Umfeld einer Gruppe und das Erlebnis der Zusammenfügung
der einzelnen Unikate zu einem größeren, bedeutenden Ganzen war
für jedes Kind beeindruckend und verschaffte den Kindern eine wichtige Gruppenerfahrung,
aber auch die bedeutende Erfahrung des Flow. Gerade die Absenz des
Flow – des Erlebnisses eigenen Tuns und Könnens – macht man heute für die unerfreulichen
Entwicklungen öffentlich alimentierter Jugendlicher, denen jede Form
konstruktiver Selbsterfahrung fehlt, verantwortlich. Beim Lichtblick schwärmen
die Jugendlichen, die als Kinder dabei sein durften, noch jetzt – nach Jahren – von
dieser Erfahrung.
Die Ausstellung wanderte von den Ed/Meiers Art-Vitrinen direkt ins Münchner
Rathaus und von dort auf die Bundesgartenschau.
Dabei war uns wichtig, dass über das Vehikel des Werkes die enorm wichtige Arbeit
von Lichtblick Hasenbergl einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wurde und
damit viele freiwillige Helfer, aber natürlich auch Spender für diese auf Hilfe aus
den Reihen der Mitbürger angewiesene Einrichtung gewonnen wurden.
Nun haben wir seit Langem erstmals wieder ein Projekt vorgestellt bekommen,
welches die Winx-Effekte nutzt:
Von Mitte April bis Ende Mai 2008 bietet die in den Ed/Meiers Art-Vitrinen im UBahnhof
Odeonsplatz gezeigte Installation Blüten und Früchte des Regensburger
Malers und Gartenkünstlers Peter Wittmann Passanten und Fahrgästen Gelegenheit,
aus ihrer Hast heraus kurz zu verweilen, stimmt durch die »Energie des
Dargestellten« (Ines Kohl) um und damit auf den Blütenzauber des darübergelegenen
Hofgartens ein.
Das Projekt findet seinen Abschluss in der Versteigerung von 14 zu diesem Zweck
von Peter Wittmann und Eduard Meier zur Verfügung gestellten Arbeiten aus
dem Werkzyklus Blüten und Früchte durch das Auktionshaus Sotheby’s zugunsten
der Stiftung Lichtblick Hasenbergl.
Dass hier nicht ein Reinerlös – also Ertrag unter Abzug der Kosten –, sondern der
gesamte Erlös der Stiftung Lichtblick Hasenbergl zugute kommt, ist der Verdienst
des unentgeltlichen Engagements zahlreicher Sponsoren, denen daher mein Dank
gilt. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei Joachim Koppelberg bedanken,
der nicht nur die Idee dieser wunderbaren Aktion entwickelte, sondern mit
unermüdlichem Eifer und Akribie die einzelnen Partner zusammenführte und dabei
stets sein Drehbuch im Auge behielt.
Zum Abschluss möchte ich den Blick noch einmal auf das Projekt Lichtbick Hasenbergl
selbst und seine Mitarbeiter lenken. Durch deren Arbeit wird vielen umfeldbedingt
chancenlosen Kindern, deren Lebensweg sonst wohl eine vollkommen
andere Richtung genommen hätte, die Aussicht auf eine erfolgreiche schulische
Ausbildung und den Einstieg in einen Beruf eröffnet – mit allen Möglichkeiten, ihr
Leben selbst zu gestalten und zu bestreiten. Sie erhalten die Gelegenheit, sich zu
entfalten, sich aktiv dem Leben zuzuwenden und der bedrückenden Umgebung, aus
der sie kommen, zu entwachsen. In dieser Weise Früchte zu tragen ist Ziel unseres
gemeinsamen Projekts. Vor diesem Hintergrund erfährt der Titel der Installation
Blüten und Früchte eine neue, tiefe Bedeutung.
Peter Eduard Meier
Ed/Meiers Art von Eduard Meier, Hoflieferant
Die Arbeiten wurden vom Haus Eduard Meier zur Verfügung gestellt. Ohne Peter Wittmanns Hilfe wäre dies nicht möglich gewesen.
PDF - Katalogteil Teil 1, 2,2 MB
PDF - Werkbeschreibungen, 0,64 MB
PDF - Versteigerungsbedingungen, 0,1 MB
-> Elle-Online